Der Wetterauer Autorenclub „Stories in Aspik“ kommt am Samstag um 14.30 Uhr zusammen. Die Hobby-Autoren lesen selbst geschriebene Kurzgeschichten und Gedichte vor, anschließend werden sie diskutiert. Das Treffen ist stets für den letzten Samstag eines Monats terminiert. Es steht immer unter einem Motto, diesmal lautet es „Farbe“. Wer mitmachen oder zunächst nur zuhören möchte, ist willkommen. Wir treffen uns diesmal in Privaträumen in Rockenberg. Um Anmeldung unter Telefon 0177/7051825 wird gebeten.
Montag, 21. Februar 2011
Sonntag, 6. Februar 2011
Rot wie Blut, blaugefroren
Das letzte Treffen des Clubs verlief erfolgreich und inspirierend. Mehrere Geschichten zum Stichwort Fließen wurden vorgelesen, aber auch zu anderen Themen. Motto fürs nächste Mal ist "Farbe" - ob einzelnes Kolorit oder mehrere Farben, ob Sonnenuntergang, Wände streichen, rot wie Blut oder blaugefroren... Die nächste Zusammenkunft steigt Samstag, 26. Februar, 14.30 Uhr. Treffpunkt ist ein Cafe in Bad Nauheim. Wer mitmachen will, ist willkommen.
Um Anmeldung wird gebeten (0177/7051825)
Dienstag, 25. Januar 2011
Autorenclub tagt
Der Wetterauer Autorenclub Stories in Aspik lädt für Samstag, 29.01.11 (14.30 Uhr), zur monatlichen Zusammenkunft ein. Wir treffen uns in einem Café in Bad Nauheim. Dort lesen und diskutieren wir selbstgeschriebene Texte, das Thema lautet "Fließen". Wer etwas vortragen oder zunächst nur zuhören will, ist eingeladen. Um Anmeldung wird gebeten: 0177/705 18 25.
Giraffe und Frosch
Ulla Link
Die Giraffe wirkte irgendwie verändert. War sie sonst immer mit erhobenem Kopf und hochgereckter Nase an dem kleinen Frosch vorbeigegangen und hatte ihn somit nicht einmal wahrgenommen, hielt sie den Kopf heute gesenkt. Sie murmelte Unverständliches, dann hob sie mit großer Mühe die rechte Hufe nach oben, im nächsten Moment legte sie sich auf den Boden mit angewinkelten Beinen und schaute dabei zu den weißen Wolken, die vereinzelt über den weißen Himmel dahineilten.
Trotz der kurzen Lebenszeit, die den Fröschen auf dieser Erde bleibt, hatte der kleine Geselle schon so manches Merkwürdige gesehen, weil er so tief unten lebte. Aber dieses Schauspiel war ungewöhnlich und verlangte nach Aufklärung.
So blickte der Frosch treuherzig nach oben, gab ein paar Quaklaute, so laut er nur konnte und winkte mit seinen kleinen Händen.
Nicht mal ignorieren, schoss es der Giraffe zunächst durch den Kopf. Aber, desolat, wie ihre Verfassung war, entschied sie, dass es besser sei, mit einem Geringen zu sprechen als überhaupt nicht reden zu können.
Der Frosch hatte schon angefangen, als die Giraffe sich etwas hinunterbeugte.
…murmelst du, verrenkst deine Glieder, schaust nach oben und wirfst dich auf die Erde?
Nun Frosch, es scheint mir, als weißt du über die Dinge, die die Welt im Innersten zusammenhalten, wenig Bescheid. Die Giraffe seufzte mitleidig.
Ich bete. Ich bete zum Gott der Giraffen, den du natürlich nicht kennst, weil euch Fröschen da unten der Bezug zum Höheren fehlt. In der letzten Zeit sind meine Probleme immer größer geworden. Mein Mann ist krank, vielleicht betrügt er mich auch, meine Kinder haben mich verlassen und die Madenhacker leisten keine saubere Arbeit mehr, so dass ich den ganzen Tag an meinem Körper kratzen möchte, was ich aber, wenn du einmal kurz auf meine Hufen schauen willst, natürlicherweise nicht tun kann. Kurz und gut: Mir geht es wirklich schlecht und der Gott der Giraffen wird mir hoffentlich helfen.
Meinst du wirklich, dass euer Giraffengott deinen Juckreiz so wichtig nehmen wird, dass er sich damit aus der Ewigkeit, zumindest für gewisse Zeit, verabschiedet und an dir ein Wunder tut? Übrigens – ich habe wohl schon hundert Giraffendamen mit Juckreiz, untreuem Ehemann und verschwundenen Kindern kennengelernt. Und wenn du willst, dass dein Mann dich nicht mehr betrügt, solltest du wohl eher einmal den bestialischen Gestank, den du verbreitest, im Wasserloch verringern.
Damit machte sich der Frosch von dannen, denn das Beten der Giraffendame hatte ihn daran erinnert, dass er selbst sich heute noch nicht nach Norden verneigt, einen Grashalm geknickt und zweimal sein Bein in die Luft gehalten hatte, wie es sich nun einmal für einen Froschmann geziemte.
Nach einem Jahr trafen sich Frosch und Giraffe wieder. Dass sie sich wahrnahmen, lag wohl daran, dass die Giraffendame ihren Kopf noch tiefer als beim letzten Mal trug.
Hallo, sagte der Frosch und blies sich etwas auf, kennen wir uns nicht vom vorigen Jahr? Sie hatten doch einen da oben, dabei reckte er den Kopf, für Ihren Juckreiz und so weiter?
Ach, stellen Sie sich vor, Herr Frosch, mein Mann lief davon, meine Kinder tauchten nicht wieder auf, mein Juckreiz quält mich Tag und Nacht. Ich versuchte es, mit dem da oben, Sie wissen schon, dann mit den sieben Zahlen, die eine Freundin empfahl, aber nichts half.
Versuchen Sie es einmal mit Grashalmknicken und der Verneigung nach…
Weiter kam der Frosch leider nicht, denn das Nashorn hatte beschlossen, seinen Fuß genau dahin zu setzen, wo der Frosch soeben noch verweilt hatte.
Die Sonne schien weiter, der Juckreiz hörte nicht auf und der Frosch war nun tot.
Die Giraffe trampelte von dannen.
Copyright Ulla Link
Samstag, 22. Januar 2011
Es war Herbst
Anne Heyn
Der Wind fegte durch die Bäume, bis sie ihre Blätter freigaben. In allen Farben wiegten sie sich in der kalten Luft und bevölkerten den Boden, bis der Mann kam, um sie zu einem Haufen zusammenzukehren und so der Vielfalt ein Ende bereitete.
Der Regen überschwemmte die leeren Gassen, durch die nur ab und an ein paar Gestalten huschten, die Köpfe in ihre Kapuzen eingezogen, wie der Strauß den seinen im Sand.
Vom Sand konnte man nur träumen; die paar Mütter, die dennoch versucht hatten, ihren Kindern den Spielplatz zu zeigen, starrten nun entgeistert auf ihre Sprösslinge, deren Hosenböden im Matsch des Sandkastens durchnässten.
Mürrisch raufte sich die Luft die Haare, bis ein Kind anfing zu schreien und dies zum Zeichen des allgemeinen Aufbruchs genommen wurde.
Die Welt lag wieder einsam, die Natur genoss die Stille zwischen den Autos, deren Reifen das Wasser auf den Straßen durchbarsten.
Ich lag in meinem Baumhaus auf der Lauer, doch es kam kein Gedanke mehr vorbei. Meine Thermoskanne hatte noch ein wenig Tee mit Rum aufgespart, den trank ich, bis mir wärmer wurde. Wohlig schlief ich ein und träumte von was Schönem, statt zu schreiben, wie ich es mir vorgenommen hatte. Denn diese Zeit gibt einfach keine guten Geschichten her.
Copyright Anne Heyn
Dienstag, 18. Januar 2011
TORTUGA - Piratenliebe
Beatrix Michel
Wie lebe ich in Vaters Schänke
Wartend nur auf dich mit Pein
Träumt wie ich hernieder sänke
Will nur dir zu Willen sein.
Lausche dem Piratenlachen
Klangvoll und zum Niederknien
Alles kannst du mit mir machen
Hab dem Schicksal nie verziehn
Dass du segelst – immer weiter –
Und ich bleib am Strand zurück Sehnsucht ist mein Wegbegleiter
Zieht mich mit sich – Stück für Stück.
Jetzt geh ich und schau aufs Meer
Stehe hier im weichen Sand
Nimm mein Herz, es glüht so sehr
Du hast es mir angebrannt.
Brennen will ich – weiter brennen
Du das Streichholz – ich der Docht
Nur – wie wir Piraten kennen –
Segeln sie – mein Herz – es pocht.
Copyright Beatrix Michel
Donnerstag, 13. Januar 2011
Von Nebelhorn-Brummen bis Lokomotiven-Pfiff
Wilhelm Edel leitete ersten und einzigen Muschelchor in Europa – Vorbild Papua-Neuguinea – Neugründung gescheitert
Bad Nauheim-Nieder-Mörlen (ihm). 1947 gründete Wilhelm Edel aus Nieder-Mörlen den ersten und bislang einzigen Muschelchor in Europa: Muscheln wurden als Blasinstrument verwendet. Standort war Neuendettelsau, Vorbild ein Chor aus Papua-Neuguinea. Der Neuendettelsauer Chor besteht seit 1950 nicht mehr. Ein Versuch, das Projekt wieder aufleben zu lassen, scheiterte. Jetzt schrieb der Nieder-Mörlener die Geschichte auf.
1947 nahm Edel sein Studium auf. „In der Bibliothek des Theologischen Seminars von Neuendettelsau fiel mir ein Karton auf“, erzählt er. Das Behältnis war mit großen Triton- und Kamm-Muscheln gefüllt. Der junge Mann erkundigte sich, was es damit auf sich habe. „Ein Missionar namens Heinrich Zahn hatte in Papua-Neuguinea einen Muschelchor auf die Beine gestellt“, hieß es. Das war vermutlich Anfang der dreißiger Jahre. Wie die Kiste ins Seminar geraten war, konnte der Student nicht in Erfahrung bringen.
Auch am Klavier kann man nach Zahlen spielen, wie Wilhelm Edel zeigt
Sein Interesse, ein ähnliches Projekt in Deutschland zu starten, war geweckt. Edel spielte Klavier und Orgel. Er konnte sich vorstellen, auch Muscheln wohlklingende Töne zu entlocken. Missionar Zahn hatte die Einwohner nach Zahlen spielen lassen – statt nach Noten. Ein geniales Prinzip, so Edel: „Eins bis sieben für die Grundoktave. Bei den höheren Tönen kommt bei gleicher Zahl ein Punkt obenauf. Bei der Oktave darunter kommt ein Punkt unter die Zahl.“ Edel verwendete diese Methode ebenfalls: „Das machte es auch einfacher, Interessenten zu finden, die mitwirken wollten.“ Er sprach Kommilitonen an, eine 21-köpfige Gruppe bildete sich. Die Muscheln wurden gereinigt und mit Kitt präpariert. Jede Muschel produzierte auf diese Weise den gewünschten Ton. „Man nimmt die Hand zu Hilfe, um Halbtöne zu erzeugen“, erläutert Edel. Jede Muschel sei ein individuelles Instrument. Sie könne nur von jemandem gespielt werden, der sich mit ihr auskennt.
Ehe die Studenten erstmals auftraten, probten sie ein Jahr. „Meistens spielten wir in Kirchen“, sagt Edel. Die Klangfarbe von Muscheln eigne sich besonders für Choräle. Zeitungen berichteten, und einmal kam der Bayerische Rundfunk (BR). Die Aufnahme scheiterte allerdings aus technischen Gründen. „Offenbar hatten damals Tonaufnahme- oder Tonwiedergabegeräte Schwierigkeiten mit Basstönen. Man stellte mit Bedauern fest, dass die Schwingungen der Bassmuscheln so breit wären, dass sie alles darüber löschen.“ Die Musiker versuchten einiges: Sie stellten sich in der Kirche, hinterm Altar, auf der Freitreppe und hinter einer Hecke auf. Nichts funktionierte, der BR musste unverrichteter Dinge wieder abziehen.
Im Oktober 1950 schloss Edel sein Studium ab. Er verließ Neuendettelsau, der Chor schlief ein. Vor fünf Jahren überlegte er, das Projekt wieder aufleben zu lassen. „Es hat mir viel Freude gemacht. Noch heute meine ich mitunter, die kräftigen Töne der Muscheln in mir zu hören“, sagt er. Ein Reporter habe seinerzeit vom Nebelhorn eines Ozeandampfers im Bass und vom hellen Pfiff einer Lokomotive im Diskant gesprochen. Edel erkundigte sich in Neuendettelsau, ob er die Instrumente haben könne. Die Antwort war abschlägig. „Schade“, sagt Edel. „Den Muschelchor noch mal zu gründen – das hätte mich schon gereizt.“
Ein Neffe ist Kirchenmusikdirektor. Kürzlich fragte er den Onkel, ob er die Geschichte des Chors aufschreiben möchte. Edel hat das getan, die Schrift will er in kleiner Auflage drucken lassen.
erschienen in Wetterauer Zeitung, Donnerstag 13. Januar 2011
Text und Bild: Petra Ihm-Fahle
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